Lass dich nicht vom Feind ablenken, und schenke ihm nicht zu viel Beachtung. Aus Alpträumen bin ich erwacht – Alpträumen voller Eifersucht, Stolz, Wut und Rachegelüste. Doch solche Träume sind nicht von Gott. Der Feind versucht alles, um meinen Weg zu zerstören und mir Hindernisse in den Weg zu legen.
Ich versuche, dem Traum keine weitere Beachtung zu schenken, ignoriere die sarkastische Nachricht meines besten Freundes und richte meinen Fokus neu auf Jesus. Heute besuchen mich mein Mentor Carlos und seine Frau. Ich freue mich sehr, dass sie mich auf diesem Weg begleiten. Ich mache mir keine Gedanken darüber, was ich ihnen anbieten könnte – es geht um den Weg mit Gott, nicht um Perfektion.
Mein Mentor schlägt vor, drei Tage zu fasten – mit einer bestimmten Anliegen. Das heißt für mich: die Bibel lesen, über Gottes Wort meditieren und beten.
„Wenn ihr fastet, so sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler…
Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
(Matthäus 6:16–18)
Je leerer der Bauch, desto wacher der Geist. Ich möchte meinen Geist stärken, die Wellen des Lebens reiten, ohne unterzugehen. Heute Morgen habe ich Atemübungen gemacht, um mich zu beruhigen. Ich bin einfach neugierig, was auf dem Weg passieren wird. Ich befinde mich erst am zweiten Tag meiner 40-tägigen Reise. Gestern erhielt meine Tochter ihr uneingeschränktes ecuadorianisches Visum.
Gott ist gut, wenn wir uns ihm anvertrauen, und er tut alles, um uns zu schützen. Heute ist Tag 2 – begleitet von den Ratschlägen von Carlos.

Plötzlich ruft mein bester Freund an und fragt mich, ob es ausreicht, nur die Bibel zu lesen – oder ob wir ihre Werte auch leben müssen. Diese Frage trifft mich tief. Ich erinnere mich an die Geschichte des Jungen, der Wasser in einem löchrigen Korb holte. Sie zeigt: Allein das Lesen der Bibel kann uns reinigen, auch wenn wir es nicht bewusst spüren.
„Ein alter Mann lebte einmal auf einer kleinen Farm in den Bergen (pequeña granja en las montañas / small farm in the mountains) zusammen mit seinem kleinen Enkelsohn. Jeden Morgen saß sein Großvater früh am Tisch und las aus der Bibel. Sein Enkel wollte genauso sein wie er und versuchte ihn auf alle möglichen Arten nachzuahmen.
Eines Tages fragte der kleine Junge:
‚Großvater, ich habe versucht, die Bibel so zu lesen wie du, aber ich verstehe sie nicht – und das, was ich verstehe, vergesse ich sofort wieder. Was bringt es denn, die Bibel zu lesen?‘
Der Großvater, der gerade Kohle in den Ofen legte, antwortete:
‚Nimm diesen Korb, lauf zum Fluss, fülle ihn mit Wasser und bring ihn mir zurück.‘
Der Junge tat, was ihm gesagt wurde. Er ging zum Fluss, schöpfte Wasser in den Korb und rannte zurück zum Haus. Doch unterwegs verlor er alles Wasser, sodass er mit einem leeren Korb ankam.
‚Du musst schneller laufen beim nächsten Mal‘, lachte der alte Mann und schickte ihn erneut los. Diesmal lief der Junge schneller, doch wieder war der Korb leer. Völlig außer Atem sagte er, es sei unmöglich, Wasser in einem Korb zu transportieren. Stattdessen wolle er einen Eimer benutzen.
Doch der Großvater sagte: ‚Ich möchte keinen Eimer voll Wasser. Ich möchte den Korb voll Wasser. Versuch es noch einmal.‘ Und dann stellte er sich an die Tür, um zuzusehen.
Der Junge wusste, dass es unmöglich war – aber er wollte seinem Großvater beweisen, dass selbst wenn er so schnell rannte, wie er nur konnte, das Wasser (agua / water) herauslaufen würde, bevor er ankam.
Er tauchte den Korb wieder in den Fluss (rio / river), rannte so schnell er konnte – und stand wieder mit einem leeren Korb vor seinem Großvater.
‚Siehst du?‘ rief er außer Atem. ‚Es ist völlig umsonst!‘
‚Du denkst also, es ist umsonst?‘, antwortete der alte Mann. ‚Dann schau dir den Kohlekorb einmal genau an.‘
Der Junge blickte hinunter und bemerkte zum ersten Mal, dass der Korb sich verändert hatte:
Er war nicht mehr schwarz und schmutzig, sondern sauber (limpio / clean) – von innen und außen.
‚Siehst du, mein Junge, das ist es, was geschieht, wenn du die Bibel liest (leyendo la Biblia / reading the Bible). Du magst nicht alles verstehen und nicht alles behalten, aber wenn du sie liest, verändert sie dich – innen wie außen. Das ist das Werk Gottes in unserem Leben.‘“
Dennoch fällt es mir schwer, diese Überzeugung zu bewahren, wenn Krieg und Tod um uns herum sind. In solchen Momenten fühle ich mich unsicher, besonders wenn ein guter Freund solche Fragen stellt. Gleichzeitig werde ich wütend, denn ich will lernen und wachsen.
In genau diesem Durcheinander ruft mein Mentor an und fragt, ob er und seine Frau mich besuchen dürfen. Freudig stimme ich zu, doch zuerst bitte ich um Erlaubnis beim Hausbesitzer. Also bete ich kurz – und er sagt glücklicherweise zu.
Ich begebe mich auf den steinigen und unebenen Weg, um sie vom Bus abzuholen. Um mich herum erhebt sich das Andengebirge, die Vögel zwitschern, und die Sonne brennt. Auf halbem Weg kommen sie mir entgegen. Ich bin voller Glück und Erleichterung, denn ich sehne mich nach Antworten. Sie bringen Bananen und Papayas mit – wie wunderbar.
Ich bin so dankbar, denn ich war mehrere Tage krank, konnte meine Produkte nicht auf dem Markt verkaufen, und wir hatten kaum etwas zu essen im Haus. Bis wir hier wirklich gutes Bio-Essen bekommen können, dauert es, und der Weg zum Markt ist weit. Meine jüngste Tochter serviert uns Tee und selbstgebackene Schokoladenmuffins. Dafür ist sie extra gelbe Moras sammeln gegangen. Wir beten zusammen – und schon während des Gebets kullern mir die Tränen über das Gesicht. Gott ist präsent (Dios está presente / God is present). Ich liebe Ihn, und ich bin so dankbar, dass Er in meinem Leben ist.
Seit Monaten gehe ich in eine evangelische Kirche. Die Erfahrungen dort, die Lieder und die Gemeinschaft (comunidad / community) erfüllen mich. Doch dann wurde ich krank. Zwei Gottesdienste, an denen ich teilnehmen sollte, verpasste ich, da mein Körper zu schwach war. Das erste Mal stutzte ich, als die Kirche ohne Rücksprache plante. Dann rief der Pastor an und schlug vor, ich solle zum Arzt gehen. „Gott hat die Ärzte geschaffen“, sagte er. Ich stimme dem nicht zu, aber das ist eine Diskussion für einen anderen Tag.
Meine Skepsis wuchs – nicht gegenüber Gott, sondern gegenüber der Institution Kirche. Mittlerweile fordere ich für jede Behauptung Bibelstellen ein.
Kurz darauf kam ein zweiter Anruf, diesmal von der Pastorenfrau, die ebenfalls krank war. Sie ließ sich eine Spritze geben, um weiter funktionieren zu können. Obwohl gut gemeint, sah ich nur noch rot. Mein „Nein“ fühlte sich an, als wäre es gegen Gott gerichtet. Das gute Gefühl der Gemeinschaft löste sich auf, und Misstrauen keimte auf.
(Apostelgeschichte 7:48/49)

Die Kirche, wie auch der Staat oder die Schule, ist eine menschliche Institution – und gerade deshalb ein System, von dem wir uns innerlich befreien dürfen. Der Weg mit Gott ist zutiefst individuell, nicht kollektiv. Gott ruft uns nicht zuerst in Strukturen, sondern in eine Beziehung. Er führt durch seinen Geist, nicht durch menschliche Ordnung. Und wir dürfen Tag für Tag lernen, auf seine Stimme zu hören – die Stimme, die unser Herz leitet, nicht unsere Emotionen und nicht die Erwartungen anderer.
Gott spricht zu uns durch Umstände, durch innere Eindrücke, durch Menschen, die uns begegnen. Wer lernt, genauer hinzuhören, erkennt schnell, dass vieles, was wir als „Gottes Willen“ wahrnehmen, manchmal nur Tradition, menschliche Macht oder kirchliche Gewohnheit ist. Genau hier beginnen die Schwierigkeiten.
Denn es gibt drei verborgene Sünden innerhalb der Kirche – drei innere Strukturen, die uns unmerklich davon abhalten können, den Weg zu gehen, den Gott persönlich für uns vorgesehen hat. Und bemerkenswerterweise entsprechen genau diese drei Bereiche den drei Versuchungen, denen Jesus in der Wüste entgegentrat.
Die Versuchung des „Seins“, der Identität, des Gesehen-Werdens.
Viele Kirchen leben ein hierarchisches System, das Gott nie beabsichtigt hat. Oben und unten, Leiter und Geleitete, sichtbar und unsichtbar, wichtig und weniger wichtig. Die geistliche Identität wird an Positionen gebunden – doch dieses Denken ist zutiefst menschlich.
Paulus schreibt:
„Da ist weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“
(Galater 3:28)
Vor Gott gibt es keine geistlichen Ränge. Kein „oben“, kein „unten“. Kein Titel, der Macht verleiht. Jesus selbst widerstand in der Wüste der Versuchung des „Seins“, als der Feind sagte:
„Wenn du Gottes Sohn bist…“
Er weigerte sich, seine Identität durch äußere Anerkennung zu beweisen. Heute erlebt die Kirche genau hier ihre größte Falle: Identität aus der Rolle, statt aus Gott.
Die Versuchung des „Haben-Wollens“: Macht, Einfluss, Status. Klerikalismus bedeutet: die Vorstellung, dass Geistliche mehr Autorität besitzen als andere, eine Sonderrolle haben, über Entscheidungen bestimmen, oder geistliche Macht ausüben, die Gott nie zugeteilt hat.
Doch Jesus sagt:
„Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“
(Matthäus 23:11)
In der Wüste bot der Feind Jesus alle Reiche der Welt an:
„All dies will ich dir geben…“
Das ist die Versuchung des Macht-Habens. Der Versuch, Einfluss zu besitzen, ohne Gottes Weg zu gehen.
Auch heute geschieht es: Gemeindeleitung wird zu Macht. Titel werden zu Identität. „Geistliche Autorität“ wird mit Kontrolle verwechselt. Doch Gott ruft uns in ein Königreich, das umgekehrt funktioniert: Erst die Demut. Dann die Ehre.
Die Versuchung des „Hungers“: Sicherheit durch Materielles. Die dritte Versuchung Jesu in der Wüste:
„Mache aus diesen Steinen Brot.“
Der Feind prägte hier ein Denken von: Versorgung durch das Sichtbare. Sicherheit durch das Materielle. Abhängigkeit durch das, was man hat.
Jesus antwortete:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
(Deuteronomium 8:3)
Aber viele Kirchen sind genau hier gefangen:
finanzielle Abhängigkeit
Mitgliedsbeiträge
Pflichtabgaben
Programmbudgets
Gebäudekosten
institutionelle Sicherheiten
Doch die erste Gemeinde lebte radikal anders:
„Die Gläubigen lebten wie in einer großen Familie.
Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.
Wenn jemand etwas brauchte, war jeder gerne bereit, Besitz zu verkaufen und mit dem Geld zu helfen.“
(Apostelgeschichte 2:44–45)
Die wirtschaftliche Struktur der Kirche ist oft zu einem System geworden – und Systeme können Menschen gefangen halten, statt sie zu befreien.
Sie zeigen sich in wirtschaftlicher Abhängigkeit, die Sicherheit im Materiellen statt in Gott sucht. Sie zeigen sich in Hierarchien, die Identität an Positionen knüpfen statt an Christus. Und sie zeigen sich im Klerikalismus, in dem Macht und Einfluss manchmal höher stehen als dienende Liebe.
Doch trotz all dem dürfen wir die Kirche nicht verurteilen. Denn Gott wirkt überall – auch in fehlerhaften Strukturen, auch durch Menschen, die irren, auch mitten im Chaos. Er findet Wege zu uns im Tempel, im Haus, im Wald, im Bus, im Lächeln eines Fremden und in den tiefsten Momenten unseres Schmerzes. Die Kirche ist fehlbar. Menschen sind fehlbar. Doch Gott bleibt derselbe – treu, unveränderlich, gegenwärtig.
Und deshalb sind wir eingeladen, über die Mauern hinauszublicken und zu erkennen, dass Gottes Gegenwart nicht an Institutionen gebunden ist, sondern an Herzen, die Ihn wirklich suchen.
Jesus sagt:
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
(Matthäus 18:20)
Und genau hier – in der Einfachheit, in der Echtheit, im Kleinen – beginnt die wahre Freiheit.

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