Vor drei Wochen ist meine Oma gestorben. Gott hat sie erlöst, und nun springt sie wie ein junges Reh im Paradies. Sie genießt ihren erneuerten Körper, die vielen Früchte, die verschiedenen Blumen und den Frieden in ihrem Herzen (peace in her heart / paz en su corazón).
Seit ich zurückdenken kann, liebte meine Oma es, uns Kindern Geschichten von früher zu erzählen. Meist ging es dabei um den Krieg (war / guerra), all das, was sie erlebte, aber auch um die Liebe (love / amor).
Mit ihren Geschichten versüßte sie uns den Mittagsschlaf, der damals fester Bestandteil unseres Tagesablaufs war.
„Ihr müsst ja nicht schlafen, aber zumindest ruhen“, waren ihre beschwichtigenden Worte, wenn wir versuchten, uns aus dieser Routine zu stehlen.
So kuschelten wir uns unter ihre schweren und kratzigen Wolldecken auf dem ausklappbaren Sofa und lauschten ihrer Stimme in dem abgedunkelten Zimmer.
Selten schliefen wir ein.
Wir, meine Cousine, mein Bruder und ich, waren oft in den Ferien bei ihr, genossen ihre Fürsorge, eroberten den großen Garten (garden / jardín) mit dem hohen Kirschbaum, der im August beladen war mit saftigen Süßkirschen.
Später kamen noch meine Schwester und mein Cousin hinzu, und zu fünft erstürmten wir den bezaubernden Garten. Allerdings gab es da den stinkenden Kompost (compost), an dem wir vorbeimussten, wenn wir zu der großen Brombeerhecke wollten. Sie steckte uns immer die größten Brombeeren in den Mund. Der Saft lief uns am Kinn hinunter, und wir liebten es.
Mit meiner Oma verbinde ich so viele schöne Erinnerungen (memories / recuerdos) und so viele magische Orte. Zum Beispiel ihre Laube in Berlin mit dem wunderschönen Blumenbild an der Außenfassade.
Erst später wurde mir klar, dass sie ein Bild von van Gogh „Die 12 Sonnenblumen“ gemalt hatte.
Der Duft der großen Kiefern, deren Nadeln unter meinen Füßen pieksten, wird mich immer an meine Oma erinnern.
Hast du schon einmal die Ostsee (Baltic Sea / Mar Báltico) gerochen? Der Ostseegeruch ist ein warmer Geruch, ein wenig salzig und leicht faulig. Der weiche Sand zwischen den Zehen, der dir manchmal die Fußsohlen verbrennt, der Geruch der roten Gummimatratze, auf der wir auch in den Sommerferien in ihrer Laube in Karlshagen Mittagsschlaf machen mussten.
All diese Gerüche sind Teil meiner Kindheit (childhood / infancia). Ihre weichen Hände, die Fingerkuppen ein wenig nach oben gebogen, da sie in jungen Jahren viel Klavier gespielt hatte, rubbelten uns nach einem wilden Spiel in den Wellen der Ostsee ab. Sie reichte uns leckere Stullen, natürlich immer mit dicker Butter. Ihre Hände schnitten bei einem Fernsehabend, meist mit alten DDR-Märchen, immer Äpfel, damit wir auch ja genug Vitamine bekamen. Diese Tradition führte ich später fort.
Ihre Hände, die mich festhielten, mir manchmal den erhobenen Finger zeigten und mir zum Abschied winkten mit den Worten: „Weine nicht, sonst sehen wir uns nicht wieder“, und ich versuchte tapfer, nicht zu weinen.
Ihre Hände, die fast täglich im Garten gruben, umpflanzten oder die Tomaten vom Opa gossen, das Mittagessen zubereiteten, um uns dann am Nachmittag mit Eis oder selbst gebackenem Kuchen zu verwöhnen.
Meine Oma war mein Schutzengel (guardian angel / ángel de la guarda) in meinem Leben, der mich hütete, beschützte und zumindest versuchte, mir den richtigen Weg zu weisen. Sie war immer für mich da.
Nun ist sie nicht mehr da – eigentlich ist sie schon lange nicht mehr da, nur ihr Körper weilte noch eine Weile unter uns. Ich vermisse sie, obwohl ich weiß, dass es ihr besser geht. Ausgerechnet in dieser Zeit der Trauer wird mir wieder klar, wie perfekt Gottes Plan ist. Ich bin erstaunt, wie wundervoll exakt sein Plan für unser aller Leben ist, wenn wir zuhören, annehmen, uns weiterentwickeln und uns führen lassen.
"Reconócelo en todos tus caminos, y Él enderezará tus veredas."
(Proverbios 3:6)
Mein Sohn liebt Tattoos (tattoos / tatuajes) und ließ sich aus Liebe und Erinnerung an meine Oma, seine Uroma, ein Orchideen-Tattoo stechen. Wunderschön, elegant und einzigartig, so wie meine Oma selbst.
Mein Entschluss, vor mehr als 20 Jahren nach Ecuador zu reisen, einen Ecuadorianer zu heiraten und zwei großartige Kinder mit ihm zu bekommen, war Gottes Plan.
In Ecuador gibt es mehr als 4000 Orchideenarten. Orchideen, die sich vom Meeresspiegel bis an den Rand der Gletscher oder des überschwemmten Amazonas erstrecken, durch halb wüstenhafte Schluchten der Anden bis hin zu den feuchten Nebelwäldern der Welt. Ihre vielen Farben (colors / colores), Formen und Düfte machen sie zu einer rätselhaften Pflanze und einem interessanten Forschungsobjekt.
Deutschland gehört mit 30 % zu den Hauptabnehmern. Meine Oma hat bestimmt einiges Geld in Ecuador investiert.
Selbst heilende Kräfte (healing powers / poderes curativos) wurden dokumentiert: Ruhr, Husten, schlechte Verdauung, infizierte Wunden, Blutungen und Kopfschmerzen, um nur einige zu nennen. Die Vanille (vanilla / vainilla), eines meiner Lieblingsgewürze, stammt ebenfalls von der Orchidee.
Orchideen, so wunderschön und elegant wie meine Oma.
Ich bin dankbar, den Kreislauf des Lebens zu erkennen, die Verknüpfungen unserer Schicksale und verneige mich demütig vor Gott, denn ohne ihn bin ich nichts.
Er ist Perfektion, Liebe und Güte zugleich. Meine Oma ist nun bei ihm.
Danke, Oma, für alles, was du warst, bist und alles, was ich von dir lernen durfte, denn ich weiß:
Alles ist zu unserem Besten.
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"Du zählst meine Wanderungen. Lege meine Tränen in deinen Krug; sind sie nicht in deinem Buch aufgezeichnet?"
(Psalm 56:8)
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